Roadtrip durch Marokko Teil 2 – Aus der Wüste in die Oase

von Elli
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Nachdem wir aus Marrakesch über die Berge nach Tinghir gefahren waren, ging unsere Reise nun weiter in Richtung Osten. In der nächsten Nacht sollten wir schon die Wüste unter unseren Füßen spüren.

Weg im Antiatlas

Weg im Antiatlas

Rissani

Wir fuhren also los in Richtung Rissani . Dieser Ort war als möglicher Zwischenstopp in unserem Reiseführer  gekennzeichnet, aber nicht sonderlich spektakulär erwähnt worden. Wir sollten sehr überrascht werden.

Das majestätische Stadttor von Rissani

Das majestätische Stadttor von Rissani

Bei Ankunft bestaunten wir das riesige hübsch verzierte Eingangstor. Drehten aber laut Navi nochmal um und wollten von hinten an die Stadt ranfahren. Doch hier hatte Google Maps uns wieder einen Streich spielen wollen. Als die Straße immer enger wurde und sich mehr und mehr Eselskarren um uns scharrten, legten wir den Rückwärtsgang ein und fuhren wieder raus aus dem Chaos. Beste Entscheidung. Wir fuhren nun doch wieder durchs große Stadttor und kurz darauf sprang uns ein Mann wild gestikulierend an die Autoscheibe und zeigte uns, wo wir parken sollen. Wir winkten dankend ab und fuhren weiter in die andere Richtung, doch auch da drehten wir wieder um und fuhren nochmal an dem Mann vorbei.

Mohammed Naceur

Nachdem wir endlich einen Parkplatz fanden, stand der ältere Herr auch schon direkt neben Alex und zeigte auf den Reiseführer. Er sagte, er sei dort abgebildet und bestand darauf ihn durchzublättern und uns sein Bild zu zeigen. Und Tatsache, da war er. Abgebildet als anerkannter Reiseführer für die Stadt Rissani. Wir beschlossen kurzerhand eine Tour für 50 DH mit ihm zu machen. Er zeigte uns den Markt. Heute war Sonntag und wir hatten Glück, denn hier steppte richtig der Bär. Dank Mohammed konnten wir uns ganz frei bewegen und fast überall fotografieren. Dabei sind ein paar richtig gute Aufnahmen entstanden. Mehr über Mohammed lest ihr hier.

Bester Stadtführer - Mohammed Naceur aus Rissani

Bester Stadtführer – Mohammed Naceur aus Rissani

Ankunft in der Sahara

Nach ausgiebiger Handschlagszeremonie, vielen Glückwünschen und dem Versprechen Mohammed auf unserem Blog und bei den Autorinnen des Reiseführers lobend zu erwähnen, fuhren wir weiter in Richtung Wüste. Schon kurz nach dem Verlassen von Rissani konnten wir in der Ferne goldgelbe Sanddünen entdecken. Die Vorfreude auf den feinen Wüstensand wuchs mit jedem Kilometer. Ich konnte es kaum erwarten den Sand zwischen meinen Zehen zu spüren. Alex konnte es kaum erwarten den ersten Sonnenuntergang in der Wüste zu shooten.

Die Wüste kommt näher

Die Wüste kommt näher

Nach dem Check-In im Hotel Ksar Bicha  und der Erkundung der Dachterrasse machten wir uns sofort auf den Weg in die Dünen. Der Sand ist hier noch tausendmal feiner als bei uns auf dem Darß und fühlte sich barfuß an, als würde man auf warmen Wolken tanzen.

Baum in der Wüste zum Sonnenuntergang

Baum in der Wüste zum Sonnenuntergang

Stressige Momente im Leben eines Fotografen

Alex hatte wie oft etwas Stress, den perfekten Ort für den Sonnenuntergang zu finden, aber eine entsprechende Komposition war dann doch relativ schnell gefunden. Es ist amüsant für mich zu sehen, wie sich in seinem Kopf ein Schalter umlegt, sobald die goldene Stunde im Anmarsch ist.

Alex in der goldenen Stunde - jedes Mal ein außerordentliches Spektakel

Alex in der goldenen Stunde – jedes Mal ein außerordentliches Spektakel

Er wird dann hibbelig und läuft noch schneller als gewöhnlich. Dieser Zustand der Anspannung hält dann solange an, bis er zum ersten Mal den Auslöser drückt. Danach geht alles wieder leichter und er lächelt wie ein kleiner Junge.  Wahrscheinlich geht es jedem Landschaftsfotografen so und ich kann es mittlerweile gut nachvollziehen. Schließlich können sich die Ergebnisse immer sehen lassen.

Ergebnisse eines hibbeligen Fotografen

Ergebnisse eines hibbeligen Fotografen

Cheat Day für Veganer

Beim folgenden Abendessen stellten wir fest, dass es wohl besser ist, wenn wir bei Anreise bereits mitteilen, dass wir Veganer sind. Es tat mir sehr leid, als der Kellner die frohe Botschaft der Küche überbrachte und dort eine rege Diskussion einsetzte. Wir beschlossen, dass wir das nicht auf die Spitze treiben wollten, als der Wirt danach den Vorschlag brachte, uns ein Omelett Berber zu servieren. Es schmeckte hervorragend und somit war der Cheat-Day in Ordnung für uns beide. Satt und sehr sehr zufrieden begaben wir uns zur Sternfotografie erneut auf die Dachterrasse. Selbst hier mit wenigen Straßenlaternen war er schon sehr beeindruckend. Von der Wüstenübernachtung sollte er später noch getoppt werden.

Sternenhimmel über der Sahara

Sternenhimmel über der Sahara

Vorbereitung aufs Wüstencamp

Bis 15 Uhr hatten wir am Folgetag Zeit, um uns auf unsere Wüstentour durch die Erg Chebbi  vorzubereiten. Wir packten sämtliche warme Kleidung für die Nacht ein und luden alle Kameraakkus bis zum Anschlag auf. Bis zum frühen Nachmittag ließen wir uns in einem Restaurant in Merzouga nieder und ließen uns den mittlerweile fest zum Tagesablauf gehörenden Minztee servieren.

Kamelkarawane - So würden wir auch bald durch die Wüste shippern

Kamelkarawane – So würden wir auch bald durch die Wüste shippern

Es ist soweit – unser Ritt in die Wüste

Am Nachmittag war es dann soweit. Wir hatten lang hin und her überlegt, ob wir die Kamele reiten sollten oder doch lieber neben ihnen herlaufen. Letztendlich entschieden wir uns für das Reiten. Wir hatten uns die Tiere zuvor angesehen, sie sahen weder verwahrlost noch schlecht gepflegt aus. Keines war lahm oder wirkte müde und ausgelaugt. Also entschieden wir zu reiten.

Die Reise beginnt

Die Reise beginnt

Zu Hause reite ich auch regelmäßig und habe dies noch nie als Tierquälerei empfunden, zumindest meine Reitweise. Der Kamelgang ist kaum mit dem eines Pferdes vergleichbar. Und der Unterschied ob der Boden hart oder weich war, wirkte sich enorm auf das Gefühl oben drauf aus. Auf der harten Fläche fühlte es sich auch oben relativ hart an, im weichen Sand nachher wurde es wesentlich angenehmer. Den Begriff Wüstenschiff kann ich nun definitiv verstehen, es schaukelt enorm da oben drauf.

Die Karawane

Die Karawane

Um genau zu sein, sind wir keine Kamele, sondern Dromedare, also einhöckrige Kamele geritten. Nach circa 1,5 Stunden kamen wir an der größten Düne der Wüste an und Hamud, unser Kamelführer ließ uns absteigen, damit wir die Düne erklimmen konnten. DAS war mega anstrengend, da wir bei drei Schritten vorwärts mindestens wieder einen zurückfielen, so weich war der Sand an einigen Stellen.

Angekommen auf der höchsten Düne im Erg Chebbi - gerade noch rechtzeitig

Angekommen auf der höchsten Düne im Erg Chebbi – gerade noch rechtzeitig

Die Nacht in der Wüste

Mit uns waren auch Ann und Jason geritten. Zwei sehr liebe Amerikaner. Vor allem Ann hatte die überaus freundliche und dabei authentische USA Manier an sich. Sie strahlte unheimlich viel Dankbarkeit und Offenheit uns und unseren Gastgebern gegenüber aus. Auf dem Ritt selbst konnten wir uns nur begrenzt unterhalten, dass wurde dann umso intensiver beim gemeinsamen Dinner nachgeholt. Spätestens ab Jasons beeindruckendem Tanz zu den Trommelklängen von Hamid und Hamoud war das Eis komplett gebrochen. Wir lachten unfassbar viel zusammen, führten aber auch ernsthafte Gespräche zu diversen Themen. Wir sangen gemeinsam das ein oder andere Berberlied und spielten uns völlig fremde Kartenspiele.

Ann, Jason, Alex und Elli - und mit uns unsere Wüstenschiffe

Ann, Jason, Alex und Elli – und mit uns unsere Wüstenschiffe

Gerade als wir uns im Bivouac die Decke über den Kopf gezogen hatten, begann draußen ein Sandsturm loszufegen, der das Zelt zum Wackeln brachte. Doch genauso rasch und stark wie er gekommen war, ging er auch wieder und ließ uns in einen tiefen Schlaf fallen. Irgendwann mitten in der Nacht hörte ich eine Katze heulen, sonst nichts.

Unser Wüstencamp

Unser Wüstencamp

Der Morgen danach

Alex war mustermäßig wieder der Erste, der am nächsten Morgen aufstand und schnell in Dünen eilte, um dem Sonnenaufgang zuvorzukommen. Ich schlummerte noch bis zehn vor 7 Uhr und lief dann auch in die Dünen. Die Morgenstimmung war atemberaubend schön, soviel Schönheit und Ruhe. Ich fühlte mich innerlich total geerdet und sehr nah bei mir selbst. Ein Himmel voll von kleinen rosa leuchtenden Wölkchen und die an der Grenze zu Algerien aufgehende Sonne. So fühlt sich für mich wahres Glück an.

Sonnenstern über der Sahara

Sonnenstern über der Sahara

Guten Morgen Jimmy - mein Kamel hat auch schon ausgeschlafen

Guten Morgen Jimmy – mein Kamel hat auch schon ausgeschlafen

Der Erste auf der Düne - ganz klar: Alex

Der Erste auf der Düne – ganz klar: Alex

Im Allgemeinen sagten wir das ständig auf unserer Tour: “Boah ist das schön! Wir haben aber auch immer ein Glück, was?”

Jimmy schaut auch dem Sonnenaufgang zu

Jimmy schaut auch dem Sonnenaufgang zuNach dem Frühstück schwangen wir uns wieder auf unsere Kamele und ritten zurück zur Kasbah. Ich schloss die Augen und genoss nochmal das Schwanken, was ich so schnell nicht wieder spüren würde. Ann und Jason verabschiedeten wir herzlich. Wie schnell wir uns doch aneinander gewöhnt hatten und wie tief einen eine Nacht in der Wüste verbindet.

Auf dem Weg nach Zagora

Der Weg führte uns nun weiter nach Zagora . Wir machten Halt im Draá Tal und lernten dort Elatmani kennen, der hier vor vier Monaten eine Auberge  eröffnet hatte. Mit sehr viel Liebe hatte er hier einen blühenden Garten errichtet mit Rosen, Dattelpalmen und 1.001 Kräutern für Tee. Unser Tee enthielt unter anderem Minze, Rosmarin, grünen Tee und Verveine. Wir genossen eine leckere Tajine Legumes. Danach ging es ans Bezahlen, was uns in diesem Fall etwas teurer als geplant zu stehen kam. Warum das so war und warum Elatmani ein ausgesprochen fähiger Geschäftsmann ist, lest ihr hier.

Der Garten Eden nach einer fast pflanzenlosen Wüste

Der Garten Eden nach einer fast pflanzenlosen Wüste

Oase in Marokko - der Garten von Elatmani

Oase in Marokko – der Garten von Elatmani

Wiedehopf Marokko

Wiedehopf im Palmengarten

Elatmani - ein guter Geschäftsmann

Elatmani – ein guter Geschäftsmann

Nach dem leckeren Essen machten wir noch eine Wanderung durch den Palmengarten hinter Elatmanis Oase und fuhren anschließend fröhlich weiter nach Zagora. Hier verbrachten wir den Abend bei guter Musik und singenden Kellnerinnen. Wir waren noch völlig geflasht von unserem Wüstenerlebnis und schliefen schließlich wie zwei zufriedene Babys ein.

Abendessen in Zagora

Abendessen in Zagora

Von Zagora nach Foum Zguid

Das folgende Frühstück in der Villa Zagora  sollte das leckerste auf unserer bisherigen Reise werden. Es gab frische Marmeladen aus Orangen, Kakteen und Erdbeeren. Warme Backwaren, frisch gepressten O-Saft und einen riesigen Pott Kaffee. Im Anschluss fuhren wir weiter nach Foum Zguid . Die Angestellten des Hotels Bab Rimal  waren noch nicht auf unsere zeitige Ankunft vorbereitet. Der Kellner hier wirkte ziemlich zerstreut und überfordert, also beschlossen wir, nach einem Tee erstmal weiter in den Ort hineinzufahren.

Unser erstes Hotel - das Bab Rimal in Foum Zguid

Unser erstes Hotel – das Bab Rimal in Foum Zguid

Besuch des Marktes und Mustafa

Wir besuchten den Markt und ich lief wieder zu Hochtouren im  Verhandeln auf. Wir zahlten für das Obst nur 11 statt 40 DH am Ende und bekamen eine ganze Tüte gesalzener Erdnüsse für 30 DH. Damit war meine Ehre nach dem Ausrutscher in der Oase wieder gerettet.

Hübsche Moschee in Foum Zguid

Hübsche Moschee in Foum Zguid

Auf der Suche nach Mittagessen lernten wir Mustafa kennen. Er verkauft mit seinem Onkel zusammen Schmuck auf der Straße und hat selbst ein paar Ziegen und Schafe sowie Kamele. Touren durch die Wüste macht er ebenfalls. Er erzählte von Bekannten aus Köln, die eine Tour bei ihm gemacht hatten und ihn unbedingt zum Kölner Karneval einladen wollten. Darauf habe er so gar keine Lust. Laute betrunkene Menschen sind einfach nicht sein Fall. Er hat schlichtweg keine Lust auf dieses “Abenteuer”. Er liebt seine Wüste, die Einfachheit, das Leben ohne viel Geld, ohne die Gefahr abzuheben. Hier gibt es viele weise Menschen. Leider haben wir kein Bild mit seinem breiten Grinsen gemacht. Mustafa ist ein sehr fröhlicher junger Mann, dem man auch wirklich glaubt, dass er zufrieden und glücklich ist mit seinem einfachen Leben.

Große Freude über zwei Buntstifte

Große Freude über zwei Buntstifte

Erkundung der Umgebung

Wir fuhren noch ein bisschen in der Gegend rum und suchen nach ihr wisst schon…Einem geeigneten Platz für ein Sonnenuntergangsshooting. Doch wird werden nicht so recht fündig. Eine Moschee die in einen Hügel gebaut erscheint, kommt uns noch ganz nett vor, aber so richtig dann doch nicht.

Wir sind auf den Berg hochgeklettert und keine fünf Minuten später ist Achmed an unserer Seite, ein neugieriger circa 14-jähriger Junge, der uns allerlei Fragen auf französisch stellt und unsere Kameras bewundert. Am Ende lädt er uns auf den obligatorischen Tee bei seiner Familie zu Hause ein, doch wir lehnen dankend ab. Im Nachhinein bedaure ich etwas, dass wir die Einladungen zu den Familien jedes Mal abgelehnt haben. Es hätte uns Marokko noch ein Stück näher gebracht, die einheimischen Lebensbedingungen mit eigenen Augen zu sehen. Beim nächsten Besuch planen wir das sicher mit ein.

Eine alte Ausgrabungsstätte – und keiner weiß warum?

Wir fahren schließlich zurück zum Hotel Bab Rimal und siehe da, nun können wir in unser Zimmer, alias unsere Lehmhütte einchecken.

Unsere kleine Lehmhütte im Hotel Bab Rimal

Unsere kleine Lehmhütte im Hotel Bab Rimal

Nach einer entspannten Stunde am Pool packen wir unsere Ausrüstung zusammen und laufen durch den Palmengarten hinter unserem Hotel zu einer Ruine , die wir bereits aus der Ferne gesehen hatten. Als wir die ersten in sich zusammengefallenen “Zimmer” der Ruine betreten, stellen wir fest, welches riesige  Ausmaß dieser Ort hat. Wie ein ganzes Dorf tauchen immer wieder neue Zimmer und Wände vor uns auf. Im Internet finden wir jedoch genau null Informationen über diesen lost place. Die Wolken geben sich große Mühe, um uns einen grandiosen Sonnenuntergang zu verschaffen.

Erkundung einer alten Siedlung

Erkundung einer alten Siedlung

Sonnenuntergang im ausgetrockneten Flussbett

Sonnenuntergang im ausgetrockneten Flussbett

Eine Nacht verbringen wir im Hotel Bab Rimal und stellen wieder fest, wie abwechslungsreich sowohl unsere Sehenswürdigkeiten als auch unsere Unterkünfte von “Marokko erleben  ausgesucht wurden.

Im nächsten Teil der Reise fahren wir weiter in Richtung Ozean und lassen uns auf eine komplett neue Landschaft ein. Wollt ihr mit ans Wasser kommen? Dann klickt hier.


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